Erfahrungen "Strausspaket"?

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Erfahrungen "Strausspaket"?

Beitragvon Thomas Bruderer am Di 12. Nov 2002, 00:28

Liebe Tontechniker
Seit einiger Zeit arbeite ich z.B. bei Choraufnahmen mit einem Strausspaket. Das heisst mit einer variablen AB Mikrofonierung und einer ORTF-Mikrofonierung mit variablem Versatzwinkel. Ich suche mir in etwa den Hallradius und positioniere dort dann das Stativ mit den 4 Mikrofonen.
Dies wurde mir verschiedentlich empfohlen und nach einigen Tests bin ich auch sehr zufrieden damit. Vorallem wenn man nicht so genau weiss, was passiert, oder wenn ganz verschiedene Darbietungen auf der selben Bühne über die Runden gehen und man keinen zweiten Mann im Raum hat um die Mikrofonierung zu verändern oder...
In der Regel mache ich Mehrkanalaufnahmen die ich dann zu Hause in aller Ruhe und in einer akustisch korrekten Umgebung mischen kann. So habe ich die Möglichkeit z.B.den Raumanteil zu verändern und auf die Situation im Nachhinein noch einzugehen.
Gibt es Äusserungen zu dieser Art von Mikrofonierung in diesem Forum?
Das "Original-Strausspaket" waren ja eine Kugel und eine Niere die an den Selben Mic-Input gehängt wurden, nicht? Das habe ich, so glaue ich bei einem Streifzug auf der Seite von ebs gelesen. So ist meine Mikrofonierung wohl nicht original sondern sowas wie ein modernes Sträusschen?
Liebe Grüsse aus Davos wo der Winter Einzug gehalten hat.
Thomas Bruderer
Thomas Bruderer
 

Re: Erfahrungen "Straus-Paket"?

Beitragvon ebs am Di 12. Nov 2002, 09:10

Thomas Bruderer arbeitet bei Choraufnahmen mit zwei Straus-Paketen als Stereo-Hauptmikrofonsystem - und zwar mit einer Art AB- und ORTF-Mikrofonierungsmischung, wobei die Mikrofonbasis und der Achsenwinkelwinkel einstellbar sind.
Volker Straus verwendete früher zwei Neumann-Mikrophone mit verschiedenen Richtcharakteristiken dicht beieinander, und zwar ein Mikrofon KM 84 mit Nierencharakteristik und ein Mikrofon KM 83 mit Kugelcharakteristik. Beide trafo-symmetrischen (!) Mikrofonausgänge wurden mit einem Kabel-Adapter in Serie geschaltet und auf einen (!) Mikrofoneingang eines Mischpults gegeben. Damit addieren sich die Richtcharakteristiken der Niere und der Kugel und es wird eine Breite Niere gebildet. Die Mikrofonentwickler sind sich einig, dass durch diese additive Serienschaltung die elektrischen Mikrofondaten nicht mehr gewährleistet sind. Seit dem Erscheinen der "Breiten Nieren" benutzte Volker Straus kein Paket mehr, sondern nur noch die Neumann-Type KM 143.
Hat man genug Regler und Spuren frei, so kann man das Nierenmikrofon und das Kugelmikrofon auch getrennt aufzeichnen - so umgeht man die elektrisch nicht einwandfreie Serienschaltung. Damit ist nachträglich das Verhältnis der Signale von Kugel- zu Nierenmikrofon zu verändern und praktisch jede Richtcharakteristik zwischen Kugel und Niere einzustellen. Nicht ganz sauber ist die Addition der Phasenlage bei hohen Frequenzen, weil die Mikrofone im Paket nebeneinander mechanisch einen Abstand von 2 cm haben.
Das Straus-Paket wurde niemals benutzt, um daraus ein Stereo-Hauptmikrofonsystem (!) zu bilden, sei es AB oder eine Koinzidenzanordnung. Jedes Paket wurde wie "ein" Mikrofon allein als "Breite-Nieren"-Stützmikrofon (!) verwendet. Es ist aus einer Notlage entstanden, weil es damals keine Mikrofone mit der Richtcharakteristik "Breite Niere" gab.
Das Geheimnis um das Straus-Paket beruht nicht auf der seltsamen Herstellung der Richtcharakteristik "Breite Niere", sondern vielmehr auf seiner schwierigen Aufnahme-Philosophie und einer bestimmten Zusammenmischung der Mehrspuraufnahmen unter Einspielen von Signalen in eine Kirche.
Um sich noch mehr Gedanken über das "Straus"-Paket zu machen, biete ich unten im Link "Fragen zum Straus-Paket" an.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik:
http://www.sengpielaudio.com



Fragen zum Straus-Paket
ebs
 


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